Am 21./22. November fanden sich 10 Teilnehmer von 5 Betrieben und der Obstbau-Versuchsstation, sowie die beiden Referenten Dr. Daniel Neuwald vom Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee und Jens Brauer von der AKSA GmbH&Co.KG zum Lagerworkshop ein. Vom Donnerstagnachmittag bis in den Abend hinein wurden den Vorträgen folgend intensiv aktuelle Fragen und Probleme der Langzeitlagerung von Obst diskutiert. Bereits vorab wurden wichtige Daten, Probleme und in der Beratung häufiger auftauchende Fragen zusammengetragen und systematisiert, sodass Referenten und Teilnehmer sehr schnell in die Details einsteigen konnten. Am darauffolgenden Tag besuchte die Gruppe die beiden Lagerstätten von "Märkische Erzeuger- und Vermarktungsorganisation GmbH" sowie der "Markendorf Obst e.G." Der Impuls für diese Veranstaltung kam aus den Reihen der Lagerhalter, die sich durch die Erweiterung der F-Gase-Verordnung (EU)2024/573 mit einem erheblichen Umrüstbedarf der Anlagen konfrontiert sehen.
Folgende Schwerpunkte wurden im Verlauf des Workshop besprochen:
Frucht- und Nacherntephysiologie:
- Besondere Anforderungen der Einlagerungsqualität durch den Klimawandel
- Optimale Erntezeitpunkte zwischen Fruchtqualität und Haltbarkeit
- Bericht und Erfahrungen aus der CA/ULO/DCA- Lagerung und sortenspezifische Empfehlungen für die Atmosphärenzusammensetzung (O2 und CO2- Werte)
- (sortenspezifische) Empfehlungen für die Atmosphärenzusammensetzung mit MCP
- Erfahrungen und Empfehlungen zur Temperaturführung, sortenspezifischen Temperaturtoleranz, u.a. in der Einlagerungsphase
- Energieeinsparungspotentiale durch Temperaturführung
- Gründe für Lagerschäden an Früchten und Vorbeugende Maßnahmen, Einflüsse auf die Fruchtqualität
- Bedingungen der Aromabildung, Ethanolbildung,
- Methoden zur Messung von (anaerober) Atmungstätigkeit der Früchte/Berechnung und Vergleich der Respirationskoeffizienten mithilfe der gemessenen O2 und Co2- Werte
- Messgenauigkeit und Ausführungen von mobiler Messtechnik zur täglichen Kontrolle
- In den vielschichtigen und umfangreichen Präsentationen von Dr. Daniel Neuwald finden Sie Detailinformationen zu Sortenspezifischen Eigenschaften sowie der Berechnung und Steuerung der Atmosphärenzusammensetzung
Steuerungs- und Kältetechnik:
Ab 1.1. 2025 sind FKW Kühlmittel verboten. Nur noch organische Kühlmittel dürfen verwendet werden, wobei Bestandsanlagen mit den bisherigen Kühlmitteln weiter betrieben und mit recycelten flourhaltigen Kühlmitteln beschickt werden dürfen. Fraglich ist allerdings derzeit, wo diese überhaupt beschafft werden können. Das bedeutet, dass die direkte Kühlung in den Lagerhäusern auf indirekte Kühlung und zwei getrennte Kreisläufe umgestellt werden muss. In den sogenannten „Sole“-Anlagen sind Wasser und Glykol die Wärme-/Kältetransportmedien, die in einem separaten, sich außerhalb der Kühlhäuser befindenden Kreislauf mit den Medien zur Kälteerzeugung kombiniert werden.
Vor allem die Unsicherheit der mittelfristigen technischen und politischen Entwicklung macht große Umbauten und Investitionen riskant. Die aktuellen Technologien sind noch entwicklungsbedürftig; die Ersatzteilversorgung für Anlagen mit organischen Kältemitteln noch in den Kinderschuhen. Die Umstellung der direkten auf die indirekte Kühlung mit organischen Kühlmitteln ist letztlich auch eine Frage der Energieeffizienz und der Energiekosten.
Die Bestandsanlagen mit bisherigen FCKW und FKW-Kühlmittel sind einfach gebaut und daher platzsparender und energieeffizienter als Kältetechnik mit organischen Kühlmitteln. Das Handling der Kühlmittel selbst wird durch die Umstellung anspruchsvoller, gefährlicher und notwendige Reparaturen deutlich teurer. Zur Verdeutlichung können die Gegenüberstellungen von Toxizität und Brennbarkeit der verschiedenen Kühlmittel herangezogen werden: Daraus resultiert Co2 als letztes verbleibendes Kühlmittel mit relativ geringen Sicherheitsrisiken (gegenüber Propan/Butan/Isobutan und Ammoniak bzw. Ammoniak Dimethylether), dafür aber der schlechtesten Kälteleistungszahl d.h. Energieeffizienz (EER energy efficiency ratio).Die Vor- und Nachteile, sowie wichtige Eigenschaften der jeweiligen Kühlmittel sind in dieser Präsentation zusammengefasst.
Durch die tiefgreifenden Änderungen in der Kühltechnik, sind auch generelle Fragen der Lagerhaltung und Betriebsstruktur auf dem Prüfstand: Die Investitionskosten liegen Schätzungen zufolge im mittleren dreistelligen Bereich pro Tonne Lagerkapazität, allein für die Kältetechnik (Daten zusammengestellt und ausgewertet von Schlie/Köpcke, veröffentlicht in der OVR 79 10/2024).
Der Zusammenstellung von Schlie und Köpcke liegen 12 Angebote von Kältetechnik- und Lagerbaufirmen zugrunde. Auch Jens Brauer, selbst Geschäftsführer der AKSA Kältetechnik GmbH&Co.KG hält diese Werte für realistisch und sieht Möglichkeiten für einem schrittweisen Umbau der Bestandlager. Welche Aggregate zuerst ersetzt werden, hängt von der jeweiligen Anlage und der Nutzung ab.
Am Freitagnachmittag blickte die Gruppe auf zwei sehr intensive, erfolgreiche Tage zurück. Die aktuellen Herausforderungen hinsichtlich notwendiger Umstellungen und Umbauten der Kältetechnik konnten genau erabeitet, definiert und eingegrenzt werden. Die lagerhaltenden Betriebe konnten nun die eigenen Planungen mit reichlich Bildern sowie viel fachlichem KnowHow unterfüttern. Ein kontinuierlicher Austausch oder sogar ein gemeinsames zukünftiges Projekt mit den lagerhaltenden Betrieben, dem KOB und der OBVS ist angedacht.
Bericht und Bilder: Anne Greiser Kontakt: obstbaukoordination@lvga-bb.de

Teilnehmer des Lagerworkshops (von links): Dr. Daniel Neuwald (KOB), Steffen Aurich (Markendorf Obst eG), Tobias Glöckler (MEV), Dr. Andreas Winkler (OBVS), Patrick Ruffert (MEV), Gordon Köwel (Markendorf Obst eG), Anke Wollanik (Obstgut Franz Müller), Daniel Schneider (Markendorf Obst eG), Joachim Hentschel (Obsthof Hentschel GbR), Stefan Lindicke (Obsthof Lindicke), Jens Brauer (AKSA GmbH&Co.KG)






