Brandenburger Allee des Sommers

Die zweite Allee, die wir Alleebegeisterten in unserem neuen Format der „Brandenburger Alleen der Jahreszeiten“ vorstellen möchten, ist die Linumhorster Straße im Landkreis Oberhavel. Die sogenannte Linumhorster Allee liegt uns besonders am Herzen, weil kostba bei ihrer Weiterentwicklung beratend zur Seite stehen darf.

Als „Brandenburger Allee des Sommers“ verbindet die circa 5 km lange Linumhorster Straße die Siedlung Linumhorst mit der Landesstraße 162. Sie stellt momentan eine Sackgasse dar, aufgrund der hinter dem Ort für Autos gesperrten Brücke, was auf unabsehbare Zeit so bleiben wird. Auf der Straße ist eine Höchstgeschwindigkeit von 70km/h vorgeschrieben. Das Verkehrsaufkommen ist vergleichsweise gering. Im Sommer lässt es sich auf der schattigen Asphaltstraße gut radeln.

Landschaftlich befindet sich die Linumhorster Allee im Oberen Rhinluch, ein Niedermoorgebiet, welches vom namensgebenden Rhin durchflossen wird. Es entstand vor circa 16.000 Jahren in der letzten Eiszeit als Teil des Eberswalder Urstromtals. Durch Meliorationsmaßnahmen in den letzten 100 Jahren wurde der Großteil des Luchs in Grünland umgewandelt. Entsprechend der Landschaftsgenese finden die Bäume der Linumhorster Allee einen torfigen Untergrund vor, welcher örtlich von Talsand-Linsen unterbrochen wird.

Gemäß des Bodengutachtens vom Umwelt- und Agrarlabor aus Fehrbellin ist der Boden insgesamt nährstoffreich. Hierbei hat auch die wechselnde Nutzungsintensität der angrenzenden Landwirtschaftsflächen einen entscheidenden Einfluss. Der Grundwasserspiegel steht natürlicherweise hoch an. Durch die zunehmend heißen Sommer und das umfangreiche Grabensystem sind merkliche Schwankungen in der Wasserverfügbarkeit zu verzeichnen. Der Salzeintrag hat an der inzwischen kommunal verwalteten Straße deutlich abgenommen. Insgesamt stellt die Linumhorster Allee einen besonderen Wuchsstandort dar, welcher den Alleebäumen in Vergangenheit viel Flexibilität abverlangte und künftig abverlangen wird.

Die ersten Bäume an der Linumhorster Allee wurden in den 1930ern, vor rund 100 Jahren gepflanzt, wobei es sich um circa 550 Gemeine Eschen, Fraxinus excelsior, und 170 Spitzahorne, Acer platanoides, handelte. Wurden in den 1990ern noch einmal circa 90 Eschen nachgepflanzt, hat man seit dem Auftreten des Eschentriebsterbens vor circa 20 Jahren auf andere Arten gesetzt. Seit 2008 wurden circa 130 Winterlinden, Tilia cordata, zuletzt auch etwa 50 Feldulmen, Ulmus minor, 10 Feldahorne, Acer campestre, und wenige Individuen verschiedener anderer Arten gepflanzt. Durch zusätzlichen Spontanaufwuchs, Wildsträucher, hoher Krautschicht und teilweise Baumpflanzungen in zweiter Reihe ergibt sich eine strukturreiche Vegetation mit abwechslungsreicher Artenzusammensetzung.

Im Jahr 2011 wurde die Allee vom BUND Deutschland, der Alleenschutzgemeinschaft, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße zur Allee des Jahres gekürt. Ausschlaggebend dürfte hier auch der naturschutzfachliche Wert der Linumhorster Allee gewesen sein. Sie befindet sich im Vogelschutzgebiet (SPA) Rhin-Havelluch und westseitig der Straße befindet sich das Naturschutzgebiet Oberes Rhinluch.

Im Jahr 2024 stellten Mitglieder vom Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch e.V., vom Bürgerverein Linumhorst und dem Umweltbeirat zusammen mit dem Bürgermeister der Stadt Kremmen, Sebastian Busse, erfolgreich einen Fördermittelantrag u.a. zur nachhaltigen Weiterentwicklung der Linumhorster Allee. Die Maßnahme ist Teil des Fördermittelprojekts „Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz in ländlichen Kommunen“ (ANK) mit dem Bundesumweltministerium (BMUKN) als Fördermittelgeber und der ZUG (Zukunft – Umwelt – Gesellschaft gGmbH) als Fördermittelmanager. Die zur Verfügung gestellten Mittel zur Aufwertung von Grünflächen der Ortsteile Beetz, Groß-Ziehten, Kremmen, Staffelde und Linumhorst umfassen circa 800.000 Euro mit zusätzlich 200.000 Euro aus dem städtischen Haushalt der Stadt Kremmen. Das Projekt „Erhalt der Linumhorster Straße und Grünflächenaufwertung“ hat eine Laufzeit von Anfang 2025 bis Ende 2029.

Der Altbaumbestand der Linumhorster Allee befand sich zum Zeitpunkt der Antragsstellung bzw. bei der ersten Besichtigung durch das kostba 2024 in einem degenerierenden bis vergreisenden Zustand, verursacht insbesondere durch Stürme und Eschentriebsterben sowie Pilzbefall. Die Jungbäume befanden sich in einem vitalen Zustand.

Im Rahmen einer ersten Maßnahme wurden in der Fällperiode Ende 2025 circa 100 Eschen und circa 30 Spitzahorne in der Linumhorster Allee entnommen. Als Ergebnis der Beratung durch das kostba wurden einzelne Bäume vor der Fällung bewahrt sowie zudem bei circa 30 Bäumen lediglich die Krone gekappt und der Torso als Habitat erhalten.

In einer weiteren Maßnahme wurde der Erlebniswert der Allee und deren Einbettung in die Landschaft durch die Anlage von Pauseninseln erhöht. An drei Stellen kann nun durch beschilderte Haltepunkte Rast eingelegt werden. Im Frühjahr und Herbst kann es sich lohnen, von dort aus – gut geschützt – die zahlreichen Kraniche zu beobachten.

Jüngster Beratungsgegenstand des kostba zur Linumhorster Allee ist es, hinsichtlich der Baumartenauswahl für die Nachpflanzungen Empfehlungen zu geben. Wichtige Orientierung bat hierbei die Empfehlungsliste für naturverträgliche Baumarten und -sorten zur Pflanzung von Alleen und Baumreihen im Land Brandenburg, welche von der LVGA im April 2026 nach intensiver Abstimmung von kostba u.a. mit MLEUV, MIL, LS, LfU, BdB, FGL, HU Berlin, Förderverein Baukultur Brandenburg und HNE Eberswalde veröffentlicht wurde.

Ausgehend von den örtlichen Gegebenheiten entlang der Linumhorster Allee wurden verschiedene Arten empfohlen, um die Resilienz der Bäume gegenüber sich potentiell ändernden Rahmenbedingungen (z.B. Klima, Straßenbaumaßnahmen, Schädlinge) zu erhöhen. Würden eine oder mehrere Arten Schadbilder entwickeln, wäre das Erleben der Allee durch wahrscheinlich nur partiellen Ausfall weiterhin gegeben. Im Sinne der Allee, welche auch ein gewisses Maß an Uniformität voraussetzt, wurden geeignete, bereits vorhandene Arten empfohlen, welche bisher jedoch weniger stark vertreten sind.

Die Vorauswahl des kostba wurde beim gemeinsamen Vor-Ort-Termin mit der Baumpflegerin der Stadt Kremmen, Sabine Nickel-Dietrich, sowie Gudrun Grimm, Katy Lühder und Jana Albrecht vom Bürgerverein Linumhorst bzw. Landschaftsförderverein Oberes Rhinluch e.V. eingehend diskutiert und bestimmte Arten konnten durch wertvolle Erfahrungswerte der lokalen Akteure neu bewertet werden.

Die Abstimmungen zur Baumartenauswahl laufen weiter und wir sind gespannt, welche Baumarten die 100 Jahre alte Linumhorster Allee in Zukunft prägen werden. Das kostba bedankt sich für die angenehme und wertvolle Zusammenarbeit mit dem Landschaftsförderverein und der Stadt Kremmen und hofft auch zukünftig beratend unterstützen zu können.