Die Suche nach der „Brandenburger Allee des Herbstes“ führte uns vom kostba dieses Mal nach Potsdam-Mittelmark. Auf einer Länge von ca. 700m befindet sich zwischen Krielow und Deetz eine Birnenallee, die eine Lindenallee ablöst. Die vielen alten Birnbäume säumen die beidseitig die Straße – ein echtes Schmuckstuck!
Diese Birnenallee steht stellvertretend für viele andere Obstbaumalleen in Brandenburg, die als kulturhistorische Landschaftselemente das Landschaftsbild seit dem frühen 18. Jahrhundert prägen. Friedrich Wilhelm I. ließ ab 1713 Weiden, Maulbeer- und Obstbäume an den Wegen der Kurmark pflanzen. Die Alleen markierten die Wege auch im Winter und versorgten die Landbevölkerung mit Obst. An Sorten fehlte es nicht: 1821 zählte man allein in der Lausitz 89 Apfel- und 93 Birnensorten (vgl. Peters & Eisenfeld S.14).
Ab 1850 wurden in allen deutschen Ländern wieder vermehrt Obstbäume an Straßen gepflanzt, nun aber mit einem wirtschaftlichen Gedanken. Es gab weniger Sorten und einheitliche Pflanzungen mit Ziel der Obstproduktion und -vermarktung. Obstbaumalleen dienten der Erprobung bestimmter Bewirtschaftungsformen und gaben Aufschluss über Arten- und Sorteneignung. Eigene Obstbaumwärter übernahmen die Pflege (vgl. Hallmann & Peters S. 22).
In der DDR wurden in den 1950er und 1960er Jahren noch gezielt Obstbäume gepflanzt (vgl. Peters S. 106). In der DDR war die Ernte noch ein lohnender Nebenverdienst (vgl. Hallmann & Peters S. 28). Heute sind die Obstbaumalleen stark gefährdet. Beim Straßenausbau werden die Bäume zumeist gerodet. Geerntet wird kaum noch, auch wegen der Abgasbelastung. Die Obstalleen gelten inzwischen als wirtschaftlich wertlos und verbuschen, wenn die Pflege ausfällt (vgl. ebd. S. 26f.).
Aufgrund ihrer Bedeutung als kulturhistorisches Landschaftselement in Brandburg und ihrem attraktiven Erscheinungsbild möchte das kostba die Pflanzung von mehr Obstbäumen als Allee- oder Straßenbaum in den Fokus rücken. Weil sie aufgrund ihrer geringeren Wuchsgröße für übergeordneten Straßen weniger geeignet sind, kommen vor allem weniger stark frequentierte Straßen, Feld- und Fahrradwege in Frage.
Quellen:
Hallmann, Heinz W. & Peters, Jürgen (2004): Kulturhistorische Landschaftselemente in Brandenburg. Eine Untersuchung am Institut für Landschaftsbau der Technischen Universität Berlin. 2. Auflage.
Peter, Jürgen (1996): Alleen und Pflasterstraßen als kulturgeschichtliche Elemente der brandenburgischen Landschaft. Band 1: Textteil. Dissertation an der Technischen Universität Berlin, Fachbereich 8 Architektur.
Peters, Jürgen & Eisenfeld, Jan (2013): Kulturgeschichte des Dorfgrüns. Erschienen in: Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (Hrsg.): Grün im Dorf – Gärten und Freiflächen in Brandenburg. 3., überarbeitete Auflage.







